Neuer Blick auf die Welt

Sergej Jan von den Stadtwerken Langen ist begeisterter Radler und macht unterwegs außergewöhnliche 360°- Panoramabilder mit seinem Smartphone.

Mit dem Rad und einem Zelt nach Schottland. Von Langen aus. In maximal 25 Tagen. Schon die Idee klingt für die meisten aberwitzig. Vor allem für jene, die schon einmal mit dem britischen Sommer Bekanntschaft gemacht haben. Ja – auch auf der Insel scheint die Sonne. Aber zwischen den sonnigen Abschnitten regnet es eben auch relativ häufig. Sergej Jan – technikbegeisterter Vermessungsingenieur der Stadtwerke Langen – schob alle Zweifel beiseite und startete Anfang Mai genau zu diesem Trip. Dabei ging es ihm aber um mehr als eine zünftige Radtour: Die wilden schottischen Landschaften hatten es ihm schon bei einer anderen Reise angetan. Jetzt wollte er eben jene majestätischen Hügel und Seen im typischen nordischen Licht in Szene setzen. Sein Werkzeug dafür ist durchaus fahrrad­tauglich: eine Kombination aus Smartphone, speziellem Kameraaufsatz und App, die 360-Grad-Aufnahmen und sensationelle Panoramafotos ermöglicht. Soweit der Plan.

Um es kurz zu machen: Er ging nicht ganz auf. „Im Grunde bin ich gescheitert, bevor der spannende Teil losging“, erinnert sich Sergej Jan ein bisschen wehmütig. Dabei fing es eigentlich gut an. Nach vier Tagen erreichte er über Koblenz, Köln und zwei Campingplätze in den Niederlanden pünktlich Hoek von Holland, den Fährhafen von Rotterdam, und setzte nach Harwich über. In England angekommen, verließ den motivierten Stadtwerker dann aber schlagartig das Glück. Durchgehender Regen praktisch seit dem Verlassen der Fähre. Noch dazu standen die Zeichen auf der anderen Seite des Ärmelkanals nicht wirklich auf Frühsommer. Temperaturen deutlich unter zehn Grad empfingen den Radler aus Langen. „Ich habe alles versucht, um eine feste Unterkunft zu finden, in der ich mich hätte aufwärmen können. Aber es gab einfach nichts in der Nähe“, erzählt der Techniker. Also blieb ihm keine andere Wahl, als wieder sein Zelt aufzubauen. In dieser ersten Nacht auf der Insel fielen auch die letzten noch trockenen Kleidungsstücke dem Regen zum Opfer. Am nächsten Morgen mit wenig Schlaf, dafür aber nassem Schlafsack und völlig durchweichter Kleidung, trat Sergej Jan ein paar Meilen nördlich von Cambridge und östlich der Kleinstadt Peterborough auf die Notbremse. „Ich stieg in einen Zug und fuhr nach London.“

In den Niederlanden spielte das Wetter noch mit. So macht Radfahren im Frühsommer Spaß.

Dass er dort nicht ein paar Tage ausharrte, um besseres Wetter abzuwarten und seine Tour dann fortzusetzen, ärgert ihn heute ein bisschen. „Im Nachhinein betrachtet, wäre das sicher möglich gewesen. Aber ich war derart frustriert, dass ich mich schon auf der Bahnfahrt um ein Bus­ticket zurück nach Deutschland gekümmert habe“, erzählt der 34-jährige Familienvater. Abgeschlossen hat er indes noch nicht mit der Angelegenheit: „Spätestens im Sommer 2019 werde ich versuchen, die Reise zu Ende zu bringen.“

Natürlich hat Sergej Jan auch von seinem verkürzten Ausflug ins Vereinigte Königreich Bilder mitgebracht. Zwar ohne Castles, Lochs und Highlands, dafür aber aus London, dem Rheintal und den Niederlanden. Am „Tag der offenen Tür“, zu dem die Stadtwerke Langen am 9. Juni einluden, zeigte er einige davon an einem ­eigenen Stand. Nicht ausgedruckt, sondern ­digital mit einer sogenannten VR-Brille. „Mit diesen Brillen kann der Betrachter per ­Kopf­bewegung durch das ganze 360-Grad-Bild ­navigieren“, ­erklärt der Ingenieur. Auf diese Weise entsteht der Eindruck, als stünde man inmitten ­der ­Szenerie.

Aber auch vom Chip auf Papier gebracht, haben die Fotos ihren Reiz. Denn wenn der Computer die eigentlich für eine Kugelprojektion vorgesehenen Aufnahmen so umrechnet, dass sie druckbar sind, entstehen spannende Verzerrungen. Tatsächlich lassen sich aber viele bekannte Details erkennen.